ADHS/ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) Kinder unserer hektischen Zeit?

Der Beginn der Schulzeit bedeutet für jedes Kind einen neuen Lebensabschnitt mit ungewohnten Herausforderungen. Neue Umgebung, andere Menschen, unbekannte Pflichten. Langes Stillsitzen, sich konzentrieren und auch noch Leistung zu erbringen fällt oft schwer. Nicht jedes Kind, das unaufmerksam, zappelig oder überaktiv ist, darf als AD(H)S Kind abgestempelt werden! Dies erfordert umfangreiche Tests.

Aber Kinder, die diese Störung haben, tun sich noch schwerer in der Schule.
Die jetzige Definition von ADHS existiert seit 1987.
Doch wie erkennt man dieses „Problem“ und wie kann man den Kindern unterstützend zur Seite stehen?

Die Kennzeichen oder Leitsymptome von ADHS sind:
– die Kinder haben eine beeinträchtigte Aufmerksamkeit vor allem in

Gruppensituationen, in denen die Reize reduziert sind, d.h. sie sind leicht ablenkbar, wenn der Hintermann im Klassenzimmer mit Papier raschelt ebenso wie bei den Hausaufgaben, beim Essen, seltener vor dem Fernseher oder Computer. Wenn die Kinder unter Spannung stehen, können sie sich eher konzentrieren.

Das ist auch ein Grund, warum ADHS Kinder nicht mit Beruhigungsmitteln sondern oft mit Stimulanzien behandelt werden. Wohin führt es, wenn Kinder, die unter den Folgen von Reizüberflutung leiden auch noch unter Hochspannung gesetzt werden?

ADHS Kinder haben eine schnelle Auffassungsgabe aber übersehen dabei Wichtiges. Sie vergessen Schulsachen, Turnzeug oder Hausaufgaben, träumen vor sich hin, überhören Anweisungen, kontrollieren nicht genügend die Worte im Diktat. Sie springen sofort auf alles Neue an, sind mal gut gelaunt und von einer Sekunde auf die andere traurig.

die Kinder sind sehr impulsiv, reden sehr viel, ohne zu merken, dass es dem Gegenüber zu viel wird. Sie haben eine mangelnde Selbststeuerung, das Kind sagt, was es denkt und ist dadurch manchmal auch taktlos. Sie platzen mitten ins Gespräch oder Spiel hinein.

Sie fassen einen Gedanken und schon ist er ausgeführt!
Manchmal kann es auch richtig gefährlich werden, wenn sie ohne zu schauen über die Straße rennen.
Sie drängeln sich gerne nach vorne, können nicht abwarten bis sie and er Reihe sind. Auch heftige Wutanfälle oder Jähzorn sind möglich.

bei manchen Kindern kommen eine motorische Unruhe und ein übermäßiger Bewegungsdrang hinzu. Sie haben „Hummeln im Hintern“, reden mit Händen und Füßen oder haben plötzlich einschießende Bewegungen, dass sich andere erschrecken.

Jungen sind dreimal häufiger betroffen als Mädchen. In Deutschland sind es ca. 6%
aller 6 – 10 Jährigen. Die Störung ist nicht vorübergehend sondern hält mindestens schon 6 Monate lang an und ist von der Weltgesundheitsorganisation in einem speziellen Klassifikationssystem für psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten aufgelistet. Schon vor 150 Jahren sind sie in der Kinderliteratur beschrieben worden. Wer kennt sie nicht?
Die Kinder im „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann, einem Frankfurter Nervenarzt!

Auch der „Michel von Lönneberga“ von Astrid Lindgren oder „Kater Findus“ des Bauern Pettersson eines schwed. Schriftstellers, zeigen uns gewisse Übereinstimmungen.
All diese Kinder haben es in unserer heutigen Kultur sehr schwer und sie sind dabei nicht böse, aggressiv oder provozierend!

Bei ungünstigen Bedingungen und Umgangsweisen können sich alle Symptome noch verstärken, eine Lese-Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche, andere Lernstörungen, verzögerte Sprachentwicklung sowie Verhaltensstörungen, Einschlafschwierigkeiten und auch Erkrankungen können sich dazu gesellen. Manchmal verringern sich die Probleme beim Älterwerden.

Die „Auslöser“ für ADHS können sehr vielschichtig sein.
Ein Teil ist angeboren, so z.B. auch die Stoffwechselstörung Kryptopyrrol-Urie(im Urin zu testen). Auch ein Dopaminmangel im Gehirn wird diskutiert (Dopamin ist ein Botenstoff, der Information weiterleitet).Ein Geburtstrauma (z.B. Sauerstoffmangel) kann ebenso eine Rolle spielen wie eine Schilddrüsenerkrankung.
Bei anderen Kindern können es Nahrungszusätze sein, angefangen von Konservierungsstoffen, Farbstoffen, Industriezucker, Zuckeraustauschstoffe wie z.B. Aspartam, Geschmacksverstärker wie z. B. Glutamat, Fertiggerichte, zuviel Kuhmilchprodukte, auch in Form von Milchpulver in Keksen oder Fertiggerichten, Weißmehl oder Phosphate in Wurst und Cola.
Eine Reizüberflutung mit TV, Radio, PC im Schlafzimmer, Handy, Playstation oder MP-3- Player sind durchaus denkbar als Ursache.
Diese Auseinandersetzung mit Reizen ist bereits im Säuglingsalter festzustellen: Bezugspersonen, die dazu neigen, ein schreiendes, unruhiges Baby durch allerlei Reize zur Ruhe zu bringen, indem sie es wippen, schaukeln, mit ihm auf einem Ball hopsen, es in die Luft werfen und wieder auffangen, also ständig die Lage verändern.
Auch mit akustischen und optischen Signalen wird nicht gespart, von der Rassel über die Quietsche- Ente bis zu penetranten Lichtreizen und Dauergeräuschen von Spielsachen.
Ist es da verwunderlich, dass die Kinder eine Sucht nach Reizen entwickelt haben, wenn sie in die Schule kommen?
Auch mit Leistungsdruck – nicht von der Schule sondern hausgemacht – werden die Kinder heute früh konfrontiert.
Die Kinder haben sehr viel Freizeitstress, angefangen von Miniclub, Sportprogrammen, Reiten, Ballett, Musikunterricht, diverse Vereine. Die Aufzählung ließe sich noch beliebig erweitern.
Auch vorangegangene Impfungen können Auslöser sein. An eine Störfeldsuche(Wohnung) und Schwermetallbelastung oder einfach einen Vitaminmangel, z. B. der B-Vitamine oder der Fettsäuren, muss gedacht werden. Ebenfalls können knöcherne Strukturen wie das Keilbein am Schädel, die obersten Halswirbel oder das Kiefergelenk(Zahnspangen) Probleme bereiten. Dies sollte osteopathisch abgeklärt werden.
Zuletzt spielen natürlich auch Konflikte in der Familie oder mangelnde Zuwendung eine nicht unerhebliche Rolle. Dies kann viele Hintergründe haben und sollte keine Schuldzuweisung sein!

Wie können wir alle(Familie, Lehrer, Therapeuten, das ganze Umfeld) diese Kinder unterstützen?

Die Kinder müssen lernen, sich zu steuern, zu strukturieren und sich zu organisieren.
Alle anderen sollten diese Kinder erst einmal annehmen, wie sie sind, in den Arm nehmen und nicht an jeder Kleinigkeit herum nörgeln.

Konsequenz aber nicht Sturheit, Strenge oder Härte führen zum Ziel!

Diese Kinder müssen Sicherheit spüren. Dazu müssen Grenzen gesetzt und konsequent eingehalten werden. Keine Diskussion, kein erneuter Raum für Tricks lassen – aber auch keine spontane Strafandrohung.
Es ist gut, Anweisungen mit Körperkontakt zu geben, d.h. dem Kind dabei in die Augen zu schauen und es an der Schulter zu berühren.

Regeln klar und deutlich – aber freundlich einfordern.

Leider wissen Geschwister und Klassenkameraden nur zu gut, wie sie diese Kinder provozieren können! Hier hilft es unter Umständen, jedem eine verantwortungsvolle Aufgabe auszuteilen anstatt aufeinander herumzuhacken.
Das Arbeitsumfeld sollte reizarm gestaltet werden, d.h. nur das, was benötigt wird steht auf dem eigenen aufgeräumten Schreibtisch. Das kleinste Geraschel kann bereits stören. Eine bessere Konzentration bietet deshalb ein gleichmäßiges leises Hintergrundgeräusch (kleiner plätschernder Brunnen) Prof. Haffelder in Stuttgart (www.gehirnforschung.com) stellt für jeden eine eigene Musik-CD her!

Auch das Essen eines Apfels/Karotte kann die Konzentration erhöhen.
Gleichbleibende Arbeitsabläufe und Rituale geben Orientierung und Sicherheit, dabei auch immer ein Zeitlimit festlegen.
Aufgaben dürfen mit Punkten bewertet werden, das Kind kann mit entscheiden bei der Bewertung, je nachdem wie schwierig eine Aufgabe ist. Punkte werden täglich gesammelt und dann belohnt. Für Kinder unter 10 Jahren ist der Belohnungs- Anreiz
beim Vorlesen oder Spielen, bei älteren Kindern eher im materiellen Bereich anzusiedeln. Bei Versäumnissen dürfen Zusatzaufgaben gestellt werden, die sich am jeweiligen Defizit orientieren, d.h. schulische Versäumnisse mit schulischen Aufgaben, häusliches mit häuslichen Aufgaben! Dabei werden Tätigkeiten immer gleich bewertet und die Zeiten eingehalten. Auch die Belohnung gibt es immer zur verabredeten Zeit – kleine erreichbare Ziele setzen und allmählich erweitern!
Für die Hausaufgaben hat es sich bewährt, den Ranzen komplett auszuräumen, jedes Fach in einen Stehordner einzusortieren und Stück für Stück abzuarbeiten.
Bitte nur auf das Wesentliche achten und keine Perfektionisten aus den Kindern machen. Auch ein schön geschriebener Buchstabe oder ein Wort darf bewundert werden! Den Blick auf das Positive richten und nicht entmutigen – die Kinder wollen aufgebaut werden!
Konzentrationsfördernd und entspannend ist es auch in einer Hängematte etwas auswendig zu lernen oder Vokabeln am Stehpult abzuschreiben, begleitet von leiser Hintergrundmusik mit 432 Hertz.
Auch das Sitzen im Schneidersitz auf dem Boden und einen niederen Tisch vor sich ist denkbar. In der Schule wäre ein Einzeltisch besser.
Die Kinder brauchen oft eine „Extraeinladung“ und eindeutige Anweisungen – deutliche klare Grundregeln und Strukturen. Wichtig ist dabei, Merkhilfen zu geben und konsequent auf deren Einhaltung achten.
Lernen darf auch Freude bereiten!

Oft ist es hilfreich – wenn die Kinder älter sind(Pubertät) – sich nach Hilfe zur Hausaufgabenbetreuung umzuschauen. Hier käme uns auch die Ganztagesschule entgegen!
Kinder nur mit Medikamenten (z.B. Ritalin) gefügig zu machen, kann keine Lösung sein. Was vermittelt man den Kindern dadurch? Ohne „Droge“ geht es nicht! Eine Abhängigkeit für das spätere Leben ist vorprogrammiert.

Eine naturheilkundliche Behandlung sollte auf jeden Fall vor einer eventuellen medikamentösen Therapie mit Methylphenidat(z.B. Ritalin) erfolgen. Die Liste der Nebenwirkungen dieser Amphetamine(haben eine anregende Wirkung aufs Nervensystem) reicht von Übelkeit, Ängste, Depressionen, Aggressionen, Tics(z.B. Tourettesyndrom), Blutdruckstörungen, Wachstumsstörungen bis zu Psychosen.

Unter naturheilkundlichen Gesichtspunkten setzt man zunächst eine genaue Diagnose voraus, einschließlich der Abklärung von Laborwerten, der Ernährung, Mikronährstoffen und Osteopathie.
Für regelmäßige gesunde, vollwertige Mahlzeiten(kein Fast Food oder Fertiggerichte) und die Einhaltung der Schlafzeiten sollte auf jeden Fall geachtet werden.

Genauso wichtig ist es, Zeiten einzuplanen, in denen die Eltern ihrem Kind ungeteilte Aufmerksamkeit widmen – Reizüberflutung mit TV, Radio sowie Computerspielen dabei vermeiden. Diese Geräte sollten für die Kinder nicht frei zugänglich sein. Sinnvoll sind kreative Beschäftigungen wie Malen, Basteln, Tanzen, Musizieren oder auch nur Geschichten vorlesen/ erzählen.

Bewegungsdrang sollen die Kinder an der frischen Luft mit Ballspielen und Radfahren ausleben können.
Nicht selten sind die Eltern durch das Verhalten ihres Kindes überfordert und schämen sich wegen dessen Verhaltensauffälligkeiten. Auch hier kann man sich Hilfe holen(Pädagogische Sondereinrichtungen mit geschultem Personal).

Spürt das Kind, dass es trotz seines unausstehlichen Verhaltens geliebt wird, können sich gesunde Strukturen entwickeln.

Mit Schüssler Salzen (Calcium, Kalium, Magnesium, Zink) kann unterstützend gearbeitet werden. Auch für die Eltern und Lehrer gibt es gute Mittel. Viele homöopathische Mittel haben einen Bezug zu ADHS. Es seien hier nur einige erwähnt, z.B. Phosphorus, Sulfur und Tuberculinum, Agaricus, Veratrum, Stramonium. Auch ein abendliches Entspannungsbad kann Wunder wirken. Die Spagyrik nach Zimpel hält gute Mischungen bereit, die u.a. anhand von Geburtsdatum und Namen hergestellt werden können. Spagyrische Pflanzensprays kann man auch abends zusätzlich im Zimmer sprühen. Impfungen können mit Impfnosoden ausgeleitet werden. Auch die systemische Familienaufstellung ist für die ganze Familie gedacht, will keine Schuld zuweisen sondern nach Lösungen suchen! Mit der Laserakupunktur oder der Licht-Energie-Arbeit nach Stockmann gibt es gute und schmerzfreie Behandlungsvarianten.

Eine hervorragende Möglichkeit ist die Massage ähnliche VegetoDynamische Ganzkörperbehandlung, welche die Kinder mehr zu sich und in ihren Körper bringt. Eine neuere Methode ist die Phonophorese, die mit Schwingungen von Stimmgabeln nach Planetenfrequenzen arbeitet. Hier sind u.a. die Schumann-Gabel(ca. 250 Hz) und die Meistergabel (128Hz) angezeigt.
Schon Rudolf Steiner hat sich mit dieser Frequenz des Tones C 128 Hz auseinandergesetzt. 432 Hz entsprechen dem Kammerton A(leider heute 440 Hz gebräuchlich). Solche Stimmgabeln können durchaus als „Lernhilfe“ eingesetzt werden. Doch allein schon ein „normaler“ Umgang mit diesen Kinder: annehmen, akzeptieren nicht rebellieren ist von großem Nutzen.
Der Erfolg stellt sich in der Naturheilkunde nicht so schnell ein wie nach der Gabe von Ritalin, dafür ist er aber dauerhafter und nebenwirkungsfrei.
Eltern sollten keinen übersteigerten Ehrgeiz entwickeln und die Kinder nicht kritisieren, sondern Verständnis zeigen und Geborgenheit vermitteln, keinen Freizeitstress organisieren sondern Ruhe einkehren und auch einmal Langeweile aufkommen lassen! Es geht nicht darum, Schuldzuweisungen auszusprechen. Wir haben es hier meines Erachtens auch mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun und sollten alle an einem Strang ziehen – zum Wohle unserer Kinder und unserer Zukunft!

Natürlich fallen bei den Kindern leider erst alle negativen Kennzeichen auf. Viele zeichnen sich aber auch durch sehr positives Verhalten aus:
ADHS Kinder sind oft sehr aufgeschlossen und freundlich, ja sogar charmant. Sie sind kreativ, haben viele gute Ideen, sind fröhlich, hilfsbereit. Sie können lustig sein, aufgeweckt, phantasievoll auch fürsorglich und legen eine gewisse Flexibilität an den

Tag. Sie sind interessiert an allem, sind im Grunde genommen gutmütig, tierlieb, ehrlich, großherzig, empfindsam.
Alles wertvolle Eigenschaften, die unsere Gesellschaft bereichern können, Farbe in unseren Alltag bringen und uns auch zum Nachdenken zwingen: nicht erst alles negativ zu sehen, sondern erst das Positive herausstellen!